Aus fernen Landen

Geht man durch ein mittelalterliches Heerlager und sieht man zwischen kernigen Ritterzelten von maskulin bis martialisch plötzlich ein deutlich orientalisch angehauchtes Lager mit Wollbommeln und Teppichen, stellt sich natürlich die Frage: Wie passen die denn hierher?

Die meisten Leute fragten zumindest und waren dann oft ganz erstaunt, daß der Orient auch schon im Mittelalter seinen festen Platz im Geschehen hatte. In Rastede jedoch hörten wir, wie ein vorbeigehender Herr seinen kleinen Sohn belehrte: „Und das hier sind die Türken mit ihren Kamelhockern. Das ist kein Mittelalter.“

Um solcher Ignoranz etwas entgegenzusetzen, haben wir danach die Kamelhocker zu Hause gelassen (auf dem Boden sitzt es sich eh’ bequemer) und eine Tafel mit folgendem Text aufgehängt:

"Aus fernen Landen

Als die Franken auf Kreuzfahrt gingen und in den Orient zogen, eroberten sie auch eine kleine Stadt nahe Byzanz.

Unter den flüchtenden Einwohnern war auch der reiche Kaufmann Ibn Badou mit seiner Familie und dem Gesinde. Sie kamen nicht weit, wurden von Kreuzrittern angegriffen, die alle Männer niedermachten.

Die Frauen indessen konnten fliehen, und einige nutzten die Gelegenheit, um den Weg gen Westen einzuschlagen. Wohin sie kamen, erfreuten sie die Menschen mit den schönen Tänzen, die sie schon im Harem des Ibn Badou getanzt hatten.

 

Zwischen 1096 und 1273 fanden sieben große und etliche kleinere Kreuzzüge statt, die Zählweise der Historiker ist unterschiedlich. Geografische Ziele waren immer wieder Jerusalem, aber auch Kairo, und andere Orte.

Der Orient war zu dieser Zeit wirtschaftlich und kulturell auf weit höherem Niveau als das westliche Europa. Durch die Kreuzzüge erhielt das Abendland neue Impulse zur weiteren Entwicklung."

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