Darstellung

Personen

Prinzessin Sharifa – jung verwitwet, reich und an Luxus gewöhnt,
trotz oder gerade wegen entbehrungsreicher Zeiten während der Flucht.
Eine gütige Herrin, die sich auch nicht scheut,
selbst mal die Teegläser zu spülen.

Amrita, die Amme – ursprünglich aus dem Rheinland nach
Byzanz verschleppt, hat sie ihre Gefährtinnen aus den Kriegsgebieten heraus und ins Abendland geführt.
Ein Organisationstalent, wenn es darum geht,
hilfsbereite Recken zu finden.

 

Robia, die Tänzerin – Herkunft unbekannt, wahrscheinlich
aus östlichen Steppengebieten. Sie ist mit vielen künstlerischen
Talenten begabt und neigt manchmal sogar zu heilerischen Fähigkeiten.
 

Tanz

Das ist nun mal ein Klischee: Wer aus dem Orient kommt, muß gefälligst auch tanzen. Machen wir sehr gerne, aber es sollte kein Bauchtanz sein. Wir legen Wert darauf, keine Bauchtänzerinnen zu sein, auch wenn diese Bezeichnung gelegentlich fällt. Darum sind wir sehr kritisch bei der Auswahl der Musik und des Stils.

Recht passend dazu ist der „Tribal Style“, eine Mischung aus folkloristischen Tanzelementen verschiedener Herkunft und sehr gut als Gruppe zu tanzen. So könnte der Tanz in einem Harem des späten 12. Jahrhunderts ausgesehen haben – allerdings mit dem sicheren Unterschied, daß man dort Live-Musiker/innen hatte. Da müssen wir leider auf das magische unsichtbare Djinn-Orchester zurückgreifen. Alles andere ist eine seltene glückliche Ausnahme.

 

Gewandung

Unsere Kleidung haben wir alten Abbildungen nachempfunden und sind davon ausgegangen, daß sich die Schnitte in den Jahrhunderten nicht so sehr geändert hatten, schließlich wird ganz ähnliches in manchen Gegenden ja heute noch getragen. Typisch sind auf jeden Fall die weiten Hosen, die dünnen Blusen und die Westen darüber. Die Form der Westen kann variieren, ebenso waren verschiedene Arten von Kopfbedeckung in Gebrauch.
Durch die weite Ausdehnung des arabischen Kulturbereiches und den Fernhandel auch mit Indien und China standen kostbare Seidenstoffe, Brokate, Gold- und Silberdurchwirktes sowie feine Stickereien zur Verfügung, und der Orient neigte ja sowieso zur Prachtentfaltung - erst recht auf der Kleidung. Um nicht wie die Paradiesvögel auszusehen, müssen wir immer wieder abwägen, was - obwohl eigentlich authentisch - noch lagertauglich ist und was nicht.

Alles „A“ oder was?

Da haben wir ihn, den bösen Buchstaben. Ja, die Prinzessin trägt eine Brille. Muß sie auch. Ein Verträglichkeitstest mit Kontaktlinsen ist zwar geplant, bis jetzt aber noch nicht durchgeführt. Bis dahin sind wir mal so mutig und behaupten, daß geschliffene Linsen um die Zeit im muslimischen Kulturbereich schon bekannt waren, schließlich kamen Lupen, Fernrohre und letztlich auch Brillengläser von dort ins Abendland. Und wenn keiner hinsieht, zünden wir die Kerzen mit einem Feuerzeug an.
Es ist nicht immer leicht, dem „A“ Folge zu leisten, aber ich habe schon schlimmere Entgleisungen gesehen.

 

Historischer Hintergrund

In unserer Story ist dieses finstere Kapitel der Menschheitsgeschichte märchenhaft abgemildert, in der Darstellung betrachten wir es als vergangene Erfahrung, aber die Realität sah natürlich ganz anders aus.
Zum Thema „Kreuzzüge“ gibt es reichlich Buchmaterial. Wer sich zunächst einen allgemeinen Überblick verschaffen möchte, ist mit einem Bildband für Kinder (findet man z.B. in der Bücherei) gut beraten. Für sensible Naturen genügt das meist schon. Einen Schritt weiter sind dann die Dokumentationen aus archäologischer Sicht oder über Teilaspekte wie Politik, Religion, Kultur und – nicht zu vergessen – die andere Seite: Kreuzzüge aus der Sicht der Muslime. In Romanform begegnen sie uns wiederum je nach Autor/in beeindruckend detailreich und lebendig.

Hier deshalb nur ein Abriß in Superkurzform:

Zur Erhellung der religiös-politischen Lage müssen wir etwas weiter ausholen: Das von den Römern hinterlassene Weltreich wurde um 300 n.Chr. in ein weströmisches und ein oströmisches Reich geteilt. Letzteres kennen wir auch unter dem Namen Byzanz oder Byzantinisches Reich, mit Konstantinopel als Hauptstadt.

Jerusalem wurde 637 n.Chr. zwar durch muslimische Araber erobert, doch war Pilgern der Weg zu den heiligen Stätten freigegeben. Als ab 1071 jedoch seldschukische Eroberer dies nicht mehr gestatteten, kam es zum Konflikt. Da sie gar Konstantinopel bedrohten, bat der byzantinische Kaiser den Papst um Hilfe – und der rief am 27.11.1095 mit flammenden Worten zum Ersten Kreuzzug auf.

Christen, Juden und Muslime lebten bis dahin relativ friedlich miteinander. Doch in religiösem Eifer wurden nun alle Andersgläubigen, vor allem Juden, angegriffen und verfolgt. So hatte es schon tausende Opfer gegeben, bevor 1096 der Erste Kreuzzug aufbrach.

Die Beweggründe der Kreuzfahrer waren durchaus unterschiedlich. Neben den ernsthaft religiös Motivierten gab es auch solche, die z.B. in der Erbfolge benachteiligt waren und sich Aussicht auf Landbesitz im Osten erhofften. Andere wollten dadurch ihrer Verurteilung entgehen oder schlicht Abenteuer erleben. Nicht zu unterschätzen die Beutegier und die Kontrolle des Handels, eine Haltung, die sich mit der Zeit immer stärker ausprägte.

Zur Verdeutlichung der Situation ein paar Worte zum kulturellen Aspekt: Während die arabisch-islamische Welt zu hoher Blüte gelangt war und das Byzantinische Reich auf vergleichbarer Stufe stand, war man in West- und Mitteleuropa weit rückständiger. Die Feudalgesellschaft und der beherrschende Einfluß der Kirche ließen eine solche Entwicklung nicht zu.

Handel und Handwerk in den orientalischen Zentren waren Europa gegenüber auf einem sehr hohen wirtschaftlichen und kulturellen Niveau. Ein blühender Handel zu Land und auf dem Seeweg beförderte über ein weitverzweigtes Netz alle nur erdenklichen Bedarfs- und Luxusgüter, z.B. Gewürze, Kräuter, Stoffe, Juwelen, Glas, Keramik, Zucker, Hölzer und Metallwaren. Über einige Umschlagplätze wie z.B. Venedig und später durch die Kreuzfahrerstaaten hatte Europa indirekt Anschluß an dieses Handelsnetz.

Kunst, Literatur und Wissenschaft wurden geschätzt und gefördert, es gab öffentliche Bäder, Krankenhäuser, Bibliotheken und Schulen.

Über fast zweihundert Jahre zog sich dieser Heilige Krieg hin, doch siegten letztlich die Muslime. 1291 verloren die Christen ihre letzte Bastion Akko und zogen sich aus dem Heiligen Land zurück.

Danach richtete sich das christliche Auge auf andere Ziele: Verfolgung der Templer, Eroberung Alexandrias, Angriff auf den osmanischen Balkan, Reconquista in Spanien – und dann gab es auch noch die Azteken zu bekehren. Sieben große Kreuzzüge europäischer Ritterheere und etliche kleinere militärische Unternehmen, dazu einen Bauern- und einen Kinderkreuzzug sowie unzählige Pilger verzeichnet die Geschichtsschreibung, und eigentlich hat diese Art der Auseinandersetzung bis heute nicht aufgehört.

Dies alles blieb nicht ohne Auswirkungen. Zwar hatte der Osten am Ende der Kreuzzüge die Situation für sich entschieden, doch zahlte er einen hohen Preis. Durch den jahrhundertelangen Kampf empfindlich getroffen und geschwächt, war die Entwicklung gestört und wurde im Laufe der Zeit vom Westen sogar überholt. Dort hatte sich ein Wandel vollzogen, der den Fortschritt begünstigte, die Feudalgesellschaft wich der Städtekultur und den damit verbundenen Neuerungen. Die durch die Kreuzzüge nach Europa gebrachten und praktisch angewandten Ideen, Erfindungen und Kenntnisse gaben der westlichen Welt die Schubkraft für die eigene Entwicklung, mit der sie anderen für lange Zeit immer eine Schritt voraus war.

Ist man einmal für das Thema sensibilisiert, findet man die Beispiele überall. Im Dommuseum Mainz gab es im Sommer/Herbst 2004 die Ausstellung "Kein Krieg ist heilig - Die Kreuzzüge", die das alles eindrucksvoll präsentierte (vielleicht ist der Ausstellungskatalog noch zu bekommen, sehr empfehlenswert).

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